ACHTUNG: Das Wild wird gerade immer wilder

Es ist Blattzeit. Das Rehwild befindet sich gerade im Liebesrausch und da ja die Liebe bekanntlich blind machen kann, kommt es zu dieser Jahreszeit vermehrt zu Wildunfällen.

In dieser Zeit wechselt das Rehwild oft ganz spontan von einer zur anderen Straßenseite ohne auf den Verkehr zu achten. Leider nehmen diese Wildunfälle stark zu. Für den Jäger bedeutet das, es kommt dann immer Arbeit auf ihn zu. Abends 22.00 Uhr kurz vor dem zu Bett gehen klingelt das Telefon und die Polizeidirektion West in Brandenburg meldet einen Wildunfall in meinem Revier.

Bei der Polizei ist von jedem Revierinhaber die Telefonnummer hinterlegt. Die Einzelheiten lauten Wildunfall ohne Verletze nur mit Sachschaden am Auto.

In diesem Fall wird nur der Jäger zur Unfallstelle

gerufen, da die Polizei auch wichtigere Aufgaben in diesem Moment zu lösen hat. Also wird sich angezogen und alles Notwendige eingepackt. An der Unfallstelle erwartet mich eine junge Frau die ziemlich aufgelöst ist. Jetzt heißt es erstmal mit beruhigenden Worten auf sie einzuwirken. Zum Unfallhergang kann sie nur sagen das es plötzlich geknallt hat. Sie kann weder sagen um was für ein Tier es sich handelt und wohin es geflüchtet ist.

Also kein totes Tier vor Ort. Das bedeutet, ein weiterer Jäger mit einem ausgebildeten Jagdhund für die Nachsuche muss angefordert werden. Bis dieser kommt,

wird ein Unfallprotokoll für die Versicherung ausgefüllt.

Ist das Fahrzeug Kasko versichert übernimmt die Versicherung den Schaden. Aber Vorsicht, dieses gilt nicht bei einem Wildunfall mit einem Wolf, was ja bei uns in Brandenburg immer mehr zunimmt. Da der Wolf nicht dem Jagdrecht unterliegt, werden diese Schäden oft nicht von der Versicherung übernommen. Der Jäger mit seinem Hund ist angekommen und jetzt beginnt die Nachsuche. Das bedeute der Hundeführer geht mit seinem Hund vorne weg und ich mit der Waffe folge ihm. Der Hund hat schnell eine Fährte aufgenommen und jetzt geht es in den Wald.

Im Schein der Stirnkopflampe bahnen wir uns den Weg.  Eine Nachsuche sollte unbedingt immer zu zweit durchgeführt werden, da gerade ein verletztes Wildschwein sehr wehrhaft sein und den Jäger

sehr schwer verletzen kann. Nach ca. 50 Meter gibt der Jagdhund Laut und wir sehen unter einem Busch einen verendeten Rehbock liegen. Also brauchen wir das Stück Rehwild nicht durch einen Fangschuss von seinen Schmerzen zu erlösen.

Durch das ausgeschüttete Adrenalin bei dem Wildunfall können die Tiere trotz schwerster innerer Verletzungen immer noch eine große Fluchtstrecke hinter sich bringen und ohne Jagdhund wäre so eine Nachsuche nicht möglich. Jetzt heißt es das Rehwild zu bergen und fachgerecht zu entsorgen. Das Wildfleisch von so einem Stück Unfallwild ist ungenießbar, da es im Innern jede Menge Knochensplitter gibt und das Fleisch voller Hämatome ist.

Auch das aneignen von so einem Stück Unfallwild ist verboten. Das erfüllt den Tatbestand der Wilderei.

So es ist jetzt mittlerweile 23:45 Uhr und der Wildunfall ist abgearbeitet. Nun geht es ab nach Hause denn das Bett ruft.

 

Matthias Vollmer Jagdverband Brandenburg